GEDICHTE

Mittwoch, 16. September 2015

Wirklichkeit und Möglichkeit

Die Möglichkeit will nicht, was die Wirklichkeit bietet.
Sie will, was sie ihr vorenthält und raubt.
Die Wirklichkeit, wo sie ist, nimmt alles Gebotene
Mit einem Recht, als hätte sie es selbst errungen.
Die Wirklichkeit will bereits gefunden haben,
Was sie nie gesucht, sich aber angeeignet hat.
Die Möglichkeit will für sich nur suchend anders sein,
Wo die Wirklichkeit ihrem Anderssein Grenzen setzt.

Freitag, 4. April 2014

Zauberin im Dickicht

Dies Zauberinnen-Lächeln macht glauben:
Aus Mund und Aug erstrahlt das süße Glück
Und kein blinder Teufel könnt ihr dieses rauben,
Der nur ein zwungen Lächeln sieht, wo er's erdrückt

Sollte es entweiht in allen Wirren je verloren gehen,
So lasset alle Hoffnungen, die giftig-süßen, fahren,
Denn niemand könnt dies teure Glück mehr sehen,
Derweil wir rastlos im entzauberten Dickicht harren.

Verblassen sollen all die Träume, die wirren,
Die (durch Distanz) der Tat den Weg versperren.
Unausführbarer, je stärker des Wunsches Zerren.

So hört man denn des Herzens Ketten klirren,
Vor dem das Selbst ungeduldig seinen Posten steht.
Sollt es brennen, bis sein Staub im Wind verweht.

Dienstag, 11. März 2014

Die Nacht (Fragmente)

Die Nacht ist ein Freund
Sie verhüllt
Und keine Reflektion vermag
Den hellen Schein des Tages aufzudecken
Noch möge man mich nicht wecken
Lieber geruhsam bis zu seinem Ende
Mit anschmiegsamen Decken
In warme Tücher hüllen
Wo die Kälte des hellen Scheins
Jeden Gedanken raubt
Der toben will und da braust
Bis du mit deinem Kopf
Gegen offene Türen haust
Und sie verschlossen glaubst

Der Raum dahinter
Ist so leer wie der Verstand
Den kein Mensch gebraucht
Er bleibt der Realität so unverwandt
Da man den Rest der Welt verkannt

Mir ist so kalt
Dass ich die eigne Kälte spür
Die unbemerkt in meine Glieder kroch
In all dem Gewirr kreist sie nur
Um das erkaltete Selbst
Das nur noch das verlorene Gefühl
Trotz all dem Gewühl
Erwärmen wollt
Der Kältetod bleibt
Das angenehmste Ende allen Sterbens
Wo sterben brennen heißt
Und leben nicht vergebens sein soll

Anmerkung: brennen heißt leben, heißt sterben.

Freitag, 25. Oktober 2013

die welt im schwarzen kleid

ich sehe die welt im schwarzen kleid
in ihrer schwärze leuchtet sie mir ein
vor ihrem dunklen hintergrund
leuchtet jeder stern am himmel hell
der sich den suchenden blicken offenbart
bevor ich verzagt im grauen triebe
will ich alles leuchtend greifen und vereinen
will es versammeln und das grau verneinen
das nur verschlucken und verschleiern ist
mit zweifeln soll die welt ihr schwarzes kleid
in hellleuchtender nacht offen tragen
dass wir sie wieder liebevoll entkleiden mögen

Dienstag, 25. September 2012

italiana di viaggi (Verse und Fragmente)

Die Kälte nervös schwitziger Hände,
Die die Ungewissheit auf allen Wegen trug,
Kroch über den beschlagenen Verstand
Zu den ungewissen Orten des Herzens,
Wie ein lähmend fremdes Gift.

Eilendsschnell verlangte das Leben Blute,
Das wieder leidenschaftlich brennen möge
Und die Ungewissheit aus allen Kreisen
Zirkulierender Entfremdung bannt,
Wie ein belebend heilsam Antidot.

Die heitren Wege zwischen Meer und Hügel
In leuchtend ungetrübten Landen
Ließen das Herz wieder vor Liebe schlagen
Für ein leidenschaftliches Land und sein Leben
Voll glühend blühender Herzenswärme.

Kein quälender Schatten lag auf diesem Ort.
Zwischen allen Gassen und Extremen
Schien sein heitres Licht, unbeschwert strahlend
Von weiten endlosen Himmeln, magischen Dächern,
Weißen Städten und dem Geiste seiner Menschen.

Der Mensch scheint an seinem Platz
Erfüllt von eigenem Sinn und Leidenschaft
Für ein leichtes blühendvolles Leben
Und die wesentlich bewusste Tätigkeit.
Bella... vita attivo! Grazie italia.

....

(28.09)

Die Schönheit Italiens lässt sich mit Aug und Geist
Nur ahnend fassen. Es bräuchte ein ganzes Leben,
Das ich bereit wär, für den Augenblicke, hinzugeben.
Allein die sehnsuchtsvolle Ahnung ist mit heimgereist.
Daheim, wo sie nun ungehemmt im Geiste wühlt.
Flammend, wie des jungen Werthers Leid und Liebe,
Ergreift die Sehnsucht im deutschen Getriebe
Das Herz, das die lebendige Schönheit ahnt und fühlt
… doch sie nicht zu leben weiß und wagt.

Freitag, 6. Juli 2012

reuig stumpfes feuer

Tod und Zeit nagte am Geist, der
Zu hoffen wagte, dass die eigene Hoffnung
Wie ein Samenkorn auf fruchtbaren Boden fiele
Nährende Wurzeln schlüge und empor
Zum sonnenden Himmel und Lichte wüchse
Doch bleibt dem Korne nicht die Gelegenheit
So es in zerstörerischen Flammen schwitzt
Und schreit. Im stumpfen Feuer eines Selbst
Dem im Rausche nichts bleibt, doch das nur
In seinen Flammen noch die Freiheit spürt
Die es wieder lieben ließe

Die Flamme ist verstummt, nun da sie
Allen Drange aufgezehrt, mit einem Mal
Geschürt von einem gnadenlosen Rausch
Der entzündet und doch den Gedanken raubt
Bis Leidenschaft und Feuer in fremde
Und trügerisch falsche Bahnen schlagen
Orte und Wege, auf denen das verzweifelte
Selbst verbrennt, wie ein morscher Stamm
In verschlingenden Flammen, bis nichts bleibt
Als die ohnmächtige Reue eines Fatalismus
Dem man sich geschlagen gab

Mittwoch, 27. Juni 2012

Wolkenfront

Ein Regentropfen klatscht schwer
auf meine brennende Zigarette.
Sie schmeckt kalt und bitter.
Nur der Rauch aus meinem Mund
und das knistern des verdampfenden
Wassers auf dem feuchten Papier
verschafft mir Befriedigung.

Der Rauch schwebt träge
durch die verregnete Abendluft,
die erfüllt ist von ständig
anschwellendem und abschwellendem Regen,
die Sonne, Häuser und Berge
mit Wolken voll Schauern verhängt
und jeden den es nicht hiernach verlangt
ins Trockene zwingt.
Doch haftet der Blick am dunklen Bergesgrün
über das die schweren dunklen Wolken ziehen
und ich schnippe meine Kippe
auf die Horde im Regen stehender
dilettantischer Flunkeyballspieler.

Dienstag, 19. Juni 2012

Die Flut der Welten

Wenn die Welten auf festen Bahnen kreisen,
Starr und unerschütterlich auf leisen,
Leidenschaftslos geplanten Zirkelkreisen.
So wird die angetane Gewalt uns glatt zerreißen.

Gewalt in Mephistos Gestalt, die drängt und zwängt
Den Mensch in seinem Drange, fremdgelenkt.
In der verschleierten Ungewissheit einer Zeit,
Die der fremden Gewalt ihre Macht verleiht.

Verzweifeln wird der Kritiker am Abend noch
Und nichts zu kritisieren wissen, daran was doch
So viele unbekümmert lässt, denn alles geht
Nur noch den Lauf, der vorgeschrieben steht.

So werden Studenten noch von ihnen hören,
Doch ihr Selbst auf fremde Wahrheit schwören.
Weder das Andere neben Anderem verstehen,
Noch die mannigfaltige Gestalt der Welten sehen.

Ein Schrei gellt durch Straßen und Gassen.
Verstummt. von Stimme und Ton verlassen.
So hören wir ihn doch, und wollen ihn nicht fassen,
Still und ungehemmt durch unsichtbare Trassen.

Noch werden im Radio alte Lieder unverstanden tönen.
In Bibliotheken werden ungelesene Bücher stehen,
Deren Seiten im allgemeinen Staub verwehen,
Wo neue sich im abgeschmackten Klang versöhnen.

Der Lohnarbeiter wird weiterhin sein Lose tragen,
Zum Markte hin, ihm einzig eigen, seine Arbeitskraft
Unter dem Joch der liberalen Marktwirtschaft
Und Gesetzen, die ihm die Urteilskraft versagen.

Der Suchende verreckt dann an allen Grenzen,
Die man planvoll zog und planvoll überschritt.
Kein Asyl im Festungslande, nur ein Tritt,
Um in alter und kalter Einheit rein zu glänzen.

Die gebrochenen Welten werden kein Mehr erbringen,
Nur endlose Fluten samt ihrem erbarmungslosen Sog.
Doch noch vom Grunde wird ein Schrei erklingen,
Der klagt, dass man unsere Welt um sich selbst betrog.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Das schlicht Vergängliche

Auf Deibel komm raus
Sprang mir diese schlichte
Schönheit vor mein Gesicht.

Aus meinem Mund quoll der heiße
Qualm einer Zigarette,
Die ich aus den Restern leerer
Tabakpäckchen zusammendrehte
Und die so schnell abbrannten,
Dass ich kaum zum Zuge kam.

Die Kippe brannte runter und als ich
Aus dem Gedanken an ein Gedicht
Hochfuhr, war sie längst weg.

Im flüchtigen Rauch
Schwebt Traum und Zeit.
Nie gewesen, nie gelebt.
Die Schönheit im Gedanken bleibt
Ebenso vergänglich wie die
Angesteckte Kippe im gierigen Maul.

Dienstag, 5. Juni 2012

Die Synergie meiner Kotze

Nichts ist herausgegriffen aus dem Leben
Bleibt vereinzelt, oder Einheit nur der Zwecke wegen
Schön verputzt, bespuckt oder totgetreten
Allein der höheren schönen Zwecke wegen

Das Wort bleibt stumpf, und der Gedanke
Nur des Anscheines wegen
Noch dem Ideale treu und zugleich
Schon wieder fremd und säuerlich
Wie der nur noch billige Wein
Der allzu lang versauert ist
Und in allen Mengen
Nur noch dem Zwecke dient
Alles andere zu vergessen
Und dem Nebel Raum zu geben
Um im Rausch, der keine Reue kennt
Noch dem stumpfen Geist zu dienen
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Die Phiole des Homunkulus

"Gib nach dem löblichen Verlangen - Von vorn die Schöpfung anzufangen, - Zu raschem Wirken sei bereit! - Da regst du dich nach ewigen Normen, - Durch tausend abertausend Formen, - Und bis zum Menschen hast du Zeit."

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